Brennnesseln kennt jeder. Aber nicht jeder mag sie. Als Unkraut verpönt und wegen des unangenehmen Brennens, wenn man sie berührt, gemieden, hat die Brennnessel keinen guten Ruf. Ganz zu Unrecht. Die Brennnessel hat viele Anwendungsmöglichkeiten: von der schmackhaften Suppe über harntreibenden Tee bis hin zum natürlichen Schädlingsbekämpfungsmittel macht dieses scheinbare Unkraut zu einem wertvollen Bestandteil unserer Gärten.
Wo wächst die Brennnessel?
Die Brennnessel ist fast überall anzutreffen, weltweit. Sie wächst vor allem auf nährstoffreichen Böden und gilt als Stickstoffzeiger. Da die Brennnessel eine sehr robuste Pflanze ist, wächst sie sowohl in der Sonne als auch im Schatten.
Wie sieht die Brennnessel aus?

Bei uns sind zwei Sorten der Brennnesseln nahezu überall anzutreffen: die Große Brennnessel (Urtica dioica) und die Kleine Brennnessel (Urtica urens). Nur selten entdeckt man auch die Röhricht-Brennnessel oder die Pillen-Brennnessel. Alle sind essbar und unterscheiden sich nur geringfügig im Geschmack.
Die Große Brennnessel:
- Wuchshöhen zwischen 30 cm und mehr als eineinhalb Metern
- Kantiger Stängel mit gegenständigen Blättern
- Blütezeit von Juli bis Oktober
- Starkes Wurzelwachstum, entwickelt beeindruckende Horste
- Blüten entwickeln unscheinbare Blütenrispen
Die Kleine Brennnessel:
- Blätter sind kleiner und rundlicher als bei der Großen Brennnessel
- Wächst in Gruppen von Einzelpflanzen
- Bevorzugt stickstoffreichen Boden
- Wuchshöhe: 10 bis 60 cm
- Brennhaare brennen stärker als die der großen Verwandten
- Vermehrt sich durch Windbestäubung
Wie und was ernte ich?
Brennnesseln immer mit Handschuhen ernten. Besonders die Kleine Brennnessel hat es in sich, und der Kontakt mit den Brennhaaren wird häufig von schmerzhaften Quaddeln und heftigem Jucken begleitet.
Brennnesseln können zu fast jeder Zeit geerntet werden.
Damit die Blätter ohne Reue verwendet werden können, empfiehlt es sich, die Brennhaare zu entschärfen. Zunächst mit langen Handschuhen die Pflanzen abschneiden. Dann in ein Küchentuch oder Handtuch legen und einfach mit dem Stoff zusammenrollen. Auswringen, damit sich auch die letzten Köpfchen, in denen sich die brennende Kieselsäure befindet, lösen. Nun können die Blätter gefahrlos weiterverarbeitet werden.

Brennnessel als Heilmittel
Die Brennnessel gehört zu den ältesten Heilkräutern in der pflanzlichen Heilkunde. Die Heilwirkung der Brennnessel ist bis heute überliefert und hat zu keiner Zeit in der Geschichte an Bedeutung verloren.
Die Blätter wirken blutreinigend, blutbildend, entgiftend, eisenhaltig, mineralstoffhaltig, harntreibend, stoffwechselanregend und milchbildend.
Die Samen sind vitalisierend und stärkend, sie enthalten Phytohormone.
Die Brennnessel wird in der Volksmedizin ganz klassisch eingesetzt. Zu den altüberlieferten Bereichen gehören:
- Bluthochdruck
- Blutreinigung
- Lungen- und Asthmabeschwerden
- Furunkel
- Starke Menstruationsblutungen
Bei der Behandlung einer Allergie ist es besonders wichtig, dass die Giftstoffe, die eine allergische Reaktion verursachen, so schnell wie möglich aus dem Körper transportiert werden. Die Brennnessel trägt durch ihre blutreinigende Wirkung wesentlich zu diesem Prozess bei.
Auch bei Blasenbeschwerden hilft die Brennnessel, da sie harntreibend wirkt. Sogar fiese Pickel können damit behandelt werden.

Rezepte
Die Pflanze kann im Ganzen verwendet werden, und für alle Pflanzenteile gibt es ein Rezept. So ergeben junge Blattsprossen einen schmackhaften, vitaminreichen Salat. Aufgüsse aus den Blättern und Wurzeln gelten als harntreibend. Auch die Samen sind toll zum Verfeinern von Salaten und für die Herstellung von Öl.
Die folgenden Rezepte sollen einen Überblick über die kulinarische Verwendung von Brennnesseln geben.
Brennnesselsuppe mit Brotcroutons

Zutaten (4Personen)
- 420 g Brennnesselblätter
- 100 g Topfen oder Quark
- 3 Stk. Eier
- 1 Eiklar
- 50 g Käse (würzig, gerieben)
- 1 l Gemüsesuppe
- 1 EL Olivenöl
- Pfeffer
- Salz
- Muskatnuss
- 1 Stk. Knoblauchzehen
- 2 EL Olivenöl
- 60 g Brot
- Für die Brennnesselsuppe mit knusprigen Brotwürfeln die Brennnesselblätter blanchieren, danach kalt abschrecken und abtropfen lassen.
- Die Gemüsesuppe erwärmen.
- Eier trennen. Knoblauch schälen und fein hacken.
Topfen, 2 Eidotter und 1 Eiklar und den Käse gut vermengen. Olivenöl und ein wenig warme Suppe ebenfalls untermischen. - Mit der restlichen Suppe aufgießen und die Brennnesselblätter hinzufügen. Mit einem Mixstab cremig rühren und nochmals erhitzen.
- In der Zwischenzeit das Brot in kleine Würfel schneiden und in einer Pfanne mit etwas Olivenöl anrösten.
- Die heiße Suppe mit Salz, Pfeffer, Muskatnuss sowie Knoblauch nach Belieben abschmecken.
- Brennnesselsuppe in Tellern anrichten und die knusprigen Brotwürfel drüberstreuen.
Knabberbällchen mit Brennnesselsamen

Zutaten:
50g Nüsse (Mandeln, Haselnüsse)
50g Haferflocken
80g Datteln (getrocknet, ohne Kern)
60g Feigen (getrocknet)
1 TL Kokosöl
1/2 TL Zimt
1 EL Rohkakaopulver
1/2 TL geriebene Orangenschale
(ca.) 2 EL kaltes Wasser
Brennesselsamen zum Wälzen
- Nüsse hacken oder gemahlen kaufen
- Datteln und Feigen klein schneiden.
- Nüsse, Haferflocken, Datteln, Feigen, Kokosöl, Zimt, Rohkakaopulver, geriebene Orangenschale und Wasser in einer Schüssel vermengen.
- Aus der Masse Bällchen formen und in den Brennesselsamen wälzen.
- In einer luftdichten Glasschüssel im Kühlschrank aufbewahren.
Brennnessel-Pesto mit Pinienkernen

Zutaten
- 200 g Brennnesselblätter
- 50 g Pinienkerne (alternativ Sonnenblumenkerne oder Cashewkerne)
- 100 ml hochwertiges Pflanzenöl (z. B.: Olivenöl)
- 60 g geriebenen Hartkäse (Grana Padano oder Parmesan) (alternativ Feta-Käse)
- Knoblauch
- Zitrone
- Pfeffer
- Salz (Meersalz)
- Eiswürfel
- Brennnesseln blanchieren. Dafür Topf mit Wasser zum kochen bringen. Vom Herd nehmen und die gereinigten Brennnesselblätter mit für ca. 20 Sekunden hineinlegen. Anschließend werden die Blätter kurz ins Eiswasserbad zum Abschrecken hineingegeben.
- Trocknen Sie die Blätter nun gut ab. Die Stacheln sollten jetzt zerstört sein.
- Erhitzen Sie eine Pfanne, in die Sie dann die Pinienkerne ohne Öl hineingeben und kurz anrösten. Sobald die Pinienkerne einen leicht braunen Ton bekommen, nehmen Sie die Pfanne sofort vom Herd.
- Nun geben Sie die Brennnesselblätter und die Pinienkerne in Ihre Küchenmaschine oder hacken beides mit dem Messer klein. Sie können ebenfalls mit einem Mörser arbeiten.
- Jetzt geben Sie Öl, Pfeffer, Salz hinzu und vermischen das Ganze zu einer homogenen Paste. Den geriebenen Käse, den Knoblauch und die Zitrone können Sie nach Ihrem Geschmack noch beimengen.
- Füllen Sie Ihr Pesto abschließend in ein verschließbares, luftdichtes Glas.